Leseproben

 

Alfons Lücht

Die erschreckende Unvollkommenheit des Mortimer Himmlisch
- Fundstücke -



Der letzte Kampf



Meine Zeitung schickte mich für einen neuen Auftrag in die Wüste Gobi. In diesen Breiten hatte ich vorher noch nie gearbeitet und ich freute mich auf die Mongolei. In der Hauptstadt Ulan-Bator mietete ich mir einen Geländewagen und nach einigen Stunden Fahrt erreichte ich den Zielpunkt meiner Reise.

Mitten in der Wüste Gobi befand sich ein gewaltiges Lager. Es war eine Art Kaserne mit einem riesigen Übungsplatz. Presseleute aus der ganzen Welt waren anwesend. Denn es stand die Entscheidung – gefordert vom UNO-Sicherheitsrat – an und der ganze Planet wartete fieberhaft auf dieses Ereignis. Die sogenannten Falken sollten ihren Spaß haben und danach endlich mit dem Säbelrasseln aufhören. Die militante Elite und die Hardliner der Politik hatten sich deshalb zum Tag der Entscheidung versammelt. Ich erkannte ohne Mühe den amtierenden US-Präsidenten Ronald Reagan, seinen Außenminister Alexander Haig und aus deutschen Landen Manfred Wörner und Alfred Dregger. Reagan, der Vertreter des heldenhaften, amerikanischen Volkes, zeigte in der Maske Wyatt Earps als Sheriff seine ganzen schauspielerischen Fähigkeiten. Wie es aussah, war sein Leibarzt immer an seiner Seite und hatte sich – wohl notgedrungen – als Doc Holliday verkleidet. Die Vorfreude bei Haig schien grenzenlos, denn er strahlte unentwegt wie ein Honigkuchenpferd. Als ehemaliger NATO-Oberbefehlshaber, Vier-Sterne-General außer Dienst und Aufsichtsratsmitglied einer Rüstungsfirma fühlte er sich hier einfach sauwohl. Bisher hatten die meisten der Generäle mit ihren Waffensystemen nur spielen dürfen, aber nun konnten sie endlich richtig kämpfen, Munition verschießen, ihre Panzer nutzen und bomben. In der Wüste Gobi war eine unwahrscheinlich gute Stimmung, die auch uns Presseleute erfasste. Wir Deutschen hatten vergeblich nach Franz-Josef Strauß Ausschau gehalten, aber er hatte es vorgezogen in der bayrischen Landeshauptstadt zu bleiben. Angeblich wegen dringender Dienstgeschäfte. Als Ersatz für ihn waren aber 10 Lederhosen tragende Bayern erschienen. Wir entdeckten General Pinochet und weitere lateinamerikanische Machthaber.

Die Stimmung steigerte sich noch, als wir von der bevorstehenden Ankunft des Papstes erfuhren, denn die katholischen Teilnehmer der Gobi-Entscheidung hatten um einen Besuch gebeten. Der Papst, immer bereit, wenn es um eine gute Sache ging, traf schließlich lächelnd im Lager ein. Eine Wahnsinnsstimmung herrschte, als Papst Johannes Paul II. die Waffen segnete. Die katholischen Generäle, Obristen und Politiker küssten hingebungsvoll den Ring des Papstes, aber auch den anderen Männern war feierlich ums Herz.

Am nächsten Morgen hielt der Papst noch eine Messe ab, danach sollte es endlich losgehen. Das Lager hatte sich inzwischen weiter gefüllt. Nach Angaben der Internationalen Friedensbewegung als Co-Ausrichter waren fast 10000 gemeldete Kämpfer anwesend. Ungefähr die Hälfte der Leute waren Freiwillige, die einfach heiß auf Krieg waren. Sie hatten sich im Vorfeld als Privatpersonen oder auch geschlossen in Gruppen erfolgreich beworben und sogar Frauen befanden sich unter ihnen. Die Kämpfer wurden in 3 Gruppen aufgeteilt, die NATO-Mitglieder mit grünen Armbinden, Warschauer Pakt-Leute mit natürlich roten und Blockfreie trugen schwarze Binden.

Das Lager hatte einen Durchmesser von gut 5 Kilometern und war von außen so gesichert, dass die Kämpfenden nicht ausbrechen konnten. Als Waffen standen ihnen nur Panzer, Granaten, Maschinengewehre, Maschinenpistolen, Klappspaten und Messer zur Verfügung. Die Munitionskisten wurden den Kämpfern als letztes übergeben.

Wir, die Presse und Beobachter von verschiedenen Staaten und Institutionen, wurden zu einem entlegenen Stützpunkt gebracht, um aus einer sicheren Entfernung von dem Ereignis berichten zu können. Hier standen uns optische Geräte zur Verfügung, mit denen es uns möglich gemacht werden sollte, die Kampfhandlungen genauestens zu beobachten. Dann fiel der Startschuss.

Schon waren erste Panzerabschüsse zu hören. Auch Schmerzensschreie schienen in der Luft zu schweben. Sofort blickten wir gebannt auf die optischen Geräte. Was wir jetzt sahen, flößte uns allergrößten Respekt ein, denn Reagan – von uns nur Earp genannt – stand mit gezücktem Revolver in vorderster Front. Doc Holliday – gebeugt hinter Earp – erhoffte sich durch ihn wohl Deckung. Als Panzer näher kamen, verhärtete sich Reagans Gesicht. Im selben Moment schoss ein Panzer eine Salve ab, die Reagan, dessen Arzt und viele andere Kämpfer auseinander riss. Der US-Präsident war aufrecht und stark, eben wie ein echter amerikanischer Held, gestorben. Nun brachen die Kämpfe erst richtig los. Geschosse flogen hin und her und das Land wurde regelrecht umgepflügt. Nach 10 Stunden der Kampfhandlungen waren schon mehr als 7000 Menschen tot. Die Munition ging langsam zur Neige und viele Panzer waren schon längst gebrauchsunfähig. Wir Presseleute harrten aus und hatten Unmengen von Eindrücken zu verarbeiten. Die bayrischen Lederhosen waren schon längst aufgerieben. Wir sahen sie niemals wieder, ebenso schien es Pinochet auch bereits erwischt zu haben. 2 Stunden länger hielten sich noch Dregger und Wörner, die gemeinsam für das Deutsche Vaterland kämpften. Bis zum letzten, deutschen Blutstropfen hatten sie Seite an Seite gegen den Bolschewismus gekämpft und starben tapfer und vereint auf dem Felde der Ehre, wie Dregger es ausgedrückt hätte. Kurz nach ihrem Tode schien keine Munition mehr vorhanden zu sein. Nun hieß es Mann gegen Mann. Zweikämpfe mit Messern, Spaten oder bloßen Händen. Es war unheimlich still und nur ab und zu war ein Schmerzensschrei zu hören. Der Kampf war in die entscheidende Phase getreten. Irgendwie drückte das fast lautlose Gemetzel auf unsere Stimmung. Auch in der Nacht gingen die Kämpfe weiter und den Sonnenaufgang erlebten nur noch ungefähr 100 Kämpfer.

Alexander Haig kämpfte unverdrossen, denn Kampf war sein Leben. Wir sahen, wie er mit einem Spaten einen Russen erschlug. Mit einem entmenschlichten Gesicht stellte er sich dann dem nächsten Gegner. 4 Stunden später waren nur noch 2 lebende Wesen im Lager. Um sie herum Tod und Verwüstung. Nach langer Suche hatten sich die 2 gefunden. Der eine war natürlich Haig und der andere trug eine rote Armbinde. Beide warfen ihre Messer und Spaten fort. Sie waren stumpf und nutzlos geworden. Und der letzte Kampf begann. Haig und der Rote nahmen ihre Koppel ab und versuchten mit diesen den anderen zu erwürgen. Nach einigen Minuten erwartungsvoller Spannung brach der Rote tot zusammen. Haig hatte gesiegt und mit ihm das heldenhafte amerikanische Volk. Der Sieger und letzte Überlebende des Endkampfes in der Wüste Gobi, Ex-General Alexander Haig, hielt jubelnd seine Armbinde in die Luft. Wahre Begeisterungsstürme unter meinen amerikanischen Kollegen brachen aus. Die USA hatte es wieder einmal der Welt bewiesen. Sie war die größte, mächtigste und einfach herrlichste Nation der Welt.

To dream like a hero“ hatte der US-Präsident Ronald Reagan einst gesagt. Und er hatte Recht… Leider konnte er es nun nicht mehr selbst miterleben. Wie schade!

Doch, was mussten wir sehen? Haig, der überragende Sieger, ging zum letzten, nicht entwurzelten Baum, kletterte müde ein Stück empor und befestigte seinen Koppel an einen starken, dicken Ast und erhängte sich! Sprachlos sahen wir den Helden am Baum noch ein letztes Mal zucken.

Versteht ihr nicht“, fragte ein amerikanischer Kollege uns andere.

Nein“, antwortete ich.

Für Haig ist das Leben nicht mehr lebenswert. Er hat doch nur für den Krieg, das Militär gelebt. Für ihn ist nun alles so sinnlos geworden.“

Das leuchtete uns ein.

Die amerikanischen Kollegen wollten sogleich zum Lager fahren, um Haig zu ehren und zu feiern und ihn vom Baum zu holen.

Vielleicht lebt er noch!“

Doch wir anderen hinderten sie daran.

Lasst ihn doch hängen. Es ist so ein schönes Abschlussbild!“

Schließlich einigten wir uns darauf wohl ins Lager zu fahren, aber dann in Ruhe die Fernsehkameras aufzustellen und viele, nein, eine Unmenge Bilder zu schießen. Erst als wir genug Material – auch vom Schlachtfeld, was uns ein Bild des Grauens bot –, gesammelt hatten, ließen wir Nichtamerikaner unsere Kollegen ihren Helden vom Baum holen. Haig schien in den Stunden des Kampfes mindestens um 10 Jahre gealtert zu sein. Er war total mit Blut beschmiert. Plötzlich öffnete er die Augen und lächelte selig.

Er lebt“, schrien die amerikanischen Presseleute glücklich durcheinander.

Haig grinste und sprach dann mit leiser Stimme, „Es war so schön, doch nun ist es vorbei. Schade, mit einer Neutronenbombe hätte ich sie alle viel früher weggeputzt!“

Dann starb er voller Glückseligkeit.

Und endlich herrschte Ruhe auf unserer Welt! Oder?




Der Schlafwandler



Gerhard Klexendorff arbeitete Anfang des 19. Jahrhunderts am Städtischen Theater zu Gotha als Maskenbildner. Er war ein wahrer Meister seines Fachs und schminkte die Schauspieler so grandios, dass diese sich nach der Maske noch besser mit ihren Rollen identifizieren konnten.

Klexendorff war trotz fortgeschrittenen Alters noch Junggeselle und wohnte zur Untermiete bei der Oberpostratswitwe Burgmeier, die ihn wie eine Mutter umhegte. Er lebte eigentlich nur für seine Arbeit und ging kaum aus, obwohl er sich schon oft eine eigene Familie gewünscht hatte. Aber eines Tages, als er beim Mittagessen im „Läufigen Kater“ Magdalena Brotmann, die neue, junge Kellnerin sah, war es um die Ruhe Gerhard Klexendorffs geschehen. Nun ging er nicht nur zum Mittagessen in den „Kater“, sondern auch abends um ein Bierchen zu trinken und die Leute zu beobachten. Aber eigentlich hatte er nur Augen für die hübsche Kellnerin, die so fröhlich war und immer strahlte. Gerhard konnte sich nicht an ihr satt sehen.

Nach drei Wochen des freundlichen Anlächelns wollte sich Gerhard ein Herz nehmen, sie ansprechen und um ein Rendezvous bitten. Doch da musste Gerhard mit ansehen, wie der Wirtssohn Vitus Plumpsberger hinter der Theke mit Magdalena scherzte. Und sie schienen ziemlich vertraut miteinander zu sein. Vitus war jung, kräftig und natürlich der Juniorchef des Mädchens, wie sollte Klexendorff da eine Chance haben? Traurig ging Gerhard nach Hause und ließ sich von der Oberpostratswitwe mit herrlichem Kuchen trösten. Doch Magdalena ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Wie wäre es, wenn er jünger wäre? Hätte er bei ihr dann eine Chance?

Am nächsten Tag – Klexendorff hatte seine Arbeit am Theater beendet – saß er noch sinnend in der Maske, bis er plötzlich wie in Trance, sich selbst zu schminken begann. Ein Offizierskorsett und ein schöner Anzug aus dem Fundus des Theaters waren schnell besorgt. Und plötzlich war aus einem durchschnittlichen Endvierziger ein stattlicher, junger und gutaussehender Mann geworden, auch dank eines falschen Oberlippenbarts und einer dunkelhaarigen Perücke. So ging er in den „Läufigen Kater“ und schnell bemerkte Gerhard, wie er von allen Seiten angestarrt wurde. Niemand in dem gut besuchten Gasthof erkannte ihn, und was ihn besonders erfreute, war, dass die anwesenden Frauen ihn mit interessiertem Wohlwollen betrachteten. Er setzte sich an einen Tisch und die Kellnerin Magdalena kam sogleich heran, um nach seinen Wünschen zu fragen. Er bestellte sein übliches Abendessen und lächelte die wunderbare Kellnerin an. An diesem Abend blieb er lange und sprach einige Male mit Magdalena, die gerne neben ihm stehen blieb und sich in ein Gespräch verwickeln ließ. In seiner Maske ging Gerhard Klexendorff von nun an wieder regelmäßig in den Gasthof und versuchte Magdalena zu betören. Den alten Gerhard schien niemand zu vermissen. Eine Woche später hatte sie ihren freien Tag. Sie trafen sich an der alten Stadtmauer und gingen spazieren. Zuerst noch vorsichtig distanziert, doch später Arm in Arm. Er hatte sich vollkommen in das Mädchen verliebt und auch sie schien ähnliches für ihn, der auch charmant sein konnte, zu empfinden. Sie trafen sich nun häufig, und er – der sich ihr als Chlodwig vorgestellt hatte – hoffte. Hoffte auf eine Zukunft mit ihr, natürlich auch ohne Maske. Eines Tages landeten die Verliebten in Magdalenas Bett. Er fühlte sich wie im Himmel, denn sein kühnster Traum hatte sich erfüllt, und er verschwendete noch keinen Gedanken daran, wie er ihr seine wahre Identität schonend offenbaren konnte. Er war einfach nur glücklich. Doch dann kam der Morgen.

Er wachte mit verschmierter Schminke und verrutschter Perücke auf und sein falscher Oberlippenbart lag verträumt und einsam auf dem Kopfkissen. So wandelte er sich im Schlaf vom jungen, gutaussehenden Chlodwig in den nicht mehr ganz taufrischen Gerhard. Klexendorff wurde damit zum ersten Schlafwandler. Und der Schock für Magdalena war groß. Sie fühlte sich mit Recht getäuscht und warf Gerhard hinaus.

Sie heiratete bald darauf – von der Welt und Gerhard enttäuscht – den Wirtssohn Vitus Plumpsberger und wurde eine angesehene Bürgerin von Gotha. Während Klexendorff in einem Anfall von Hoffnungslosigkeit die Oberpostratswitwe Burgmeier ehelichte und den Verein „Altern ohne Angst“ gründete.




Schwein gehabt



Manuel-Peter Bräsig war ein Kenner der deutschen Bratwurst. Er kannte sie in allen Schattierungen und Geschmacksrichtungen, obwohl er eigentlich die ganz normale Bratwurst aus Schweinefleisch bevorzugte. Ein scharfer Senf dazu und ein Brötchen und schon war Manuel-Peter Bräsig glücklich. Und das änderte sich auch nicht, als er eines Tages eine Frau kennenlernte. Manuel-Peter war sich nie sicher. Liebte er seine Frau um ihrer selbst willen oder doch eher, weil sie täglich in Mengen wunderbare Bratwürste für ihn briet. Er bemerkte besonders im Hochsommer eine Entfremdung, wenn er am Grill stand und die Würste selbst zubereitete. Denn da benötigte er seine Frau Amanda nicht. Und irgendwie hatten sie sich auch nicht viel zu sagen. Nicht einmal über Kinder verloren sie ein Wort. Für sein Glück reichten Bratwürste vollkommen aus und andere Themen verloren sich im Glücksgefühl, in eine Wurst beißen zu können. Um seine Essgewohnheiten etwas flexibler zu gestalten, erlaubte Manuel-Peter Bräsig seiner Frau ihm auch mal eine besonders dicke Brühwurst heiß zu machen. Immerhin noch besser als eine einfache Bockwurst, die er aber zur Not auch vertilgt hätte. So plätscherte das Leben des Ehepaares dahin, bis Manuel-Peter Bräsig zufällig auf den Beerdigungsunternehmer Detthold „die Made“ Fütterer traf, der Unmengen Geflügel verzehrte. „Die Made“ wurde von Fütterers zweitem Standbein, der Aufbereitung von Lebensmittelresten von Großküchen und Restaurants abgeleitet. Böse Zungen behaupteten, dass er bei der artgerechten Entsorgung zwischen menschlichen Leichen und den besagten Lebensmittelresten keinen allzu großen Unterschied machte. Fütterers Lieblingsgeflügel waren Hühner und hier favorisierte er besonders die Flügel. Und diese Hühnerflügel bereitete er so schmackhaft zu, dass Bräsig plötzlich komplett seine Nahrungsgewohnheiten umstellte und den totalen Schwenk von der deutschen Bratwurst auf Hühnerflügel vollführte. Alle Schweine im weiteren Umkreis atmeten erleichtert auf. Aber diese massive Lebensumstellung zerstörte innerhalb kürzester Zeit die Ehe von Manuel-Peter und Amanda Bräsig. Sie ließen sich scheiden, und als ihm eines Tages der Rasierpinsel in den Abort gefallen war und die Rettungsversuche vergeblich waren, begann er zum ersten Mal in seinem Leben intensiv nachzudenken. Irgendwie schien ihn das Glück verlassen zu haben. Denn auch der Ersatzrasierpinsel ging den gleichen Weg. Manuel-Peter verlor einen Regenschirm nach dem anderen, das Haar ging ihm aus, trotzdem bekam er Schuppen, er wurde von einem Zwergpinscher und einer Zecke gebissen und die Hühnerflügel hingen ihm bald auch schon zum Halse heraus. Er wurde gläubig und begann jeden Sonntag in die Kirche zu gehen. Doch nichts half. Dann kam der Domkapitular Hillarius Schmitz-Muskelmeier in die Stadt. Der fromme Kirchenmann war ein wohlbeleibter und glatzköpfiger Mann, der immer – mit der Bibel in der Hand – lächelte und galt als großer Seelsorger, der die Sorgen auch der kleinen Leute verstand. Der Domkapitular war gerade beim Essen, als Manuel-Peter Bräsig ihn aufsuchte und um Rat und Hilfe bat. Schmitz-Muskelmeier aß mit wahrlich entrückten Gesichtszügen Bratwürste und als Beilage Stampfkartoffeln und Sauerkraut. Bräsig konnte es körperlich fühlen, wie der Domkapitular voller Wonne und Hingabe aß. Und plötzlich wusste Bräsig, wie sein Problem zu bewältigen war. Er löste sich von Detthold „die Made“ Fütterer, entsagte den Hühnerflügeln und legte sein kulinarisches Augenmerk wieder voll auf die deutsche Bratwurst aus Schwein. Und sie mundete ungemein und seine Sorgen und Nöte waren plötzlich verschwunden. Er wurde augenblicklich ein glücklicher Mensch, dem alles zu gelingen schien. Und eines Tages kehrte auch Amanda zu ihm zurück und sie nahmen ihr altes Leben im Einklang mit seinen Essgewohnheiten und der Bratwurst wieder auf.