Leseprobe

Anselm Erpel von Hohlkreutz:
Faszination Einweg-Stringtanga
oder: Kofferlos auf Kreuzfahrt


Fast ein Kreuzfahrt-Tagebuch

Betrachtungen: Der Einweg-Stringtanga


Im Beauty-Case befinden sich also zwei Einweg-Stringtangas. Auch in der Kulturtasche meiner Süßen waren großzügigerweise zwei beigepackt. Eigentlich – wenn man es verbissen sieht – sind diese Stringtangas eine nicht ganz würdig zu nennende Gabe der Reederei. Auch wenn es kostenlos ist und die Reederei natürlich an dem Verlust der Koffer keine Schuld trägt.

Für eine hübsche, junge Italienerin mag so ein Tanga annehmbar sein und vielleicht sogar an ihr sehr gut aussehen – wenn die Figur stimmt, natürlich.

Aber für einen eventuell 80-jährigen deutschen Rentner mit Schmerbauch … nee, nee. Der findet seine Ersatz-Unnerbüx doch gar nicht wieder. Vorne kann er sie nicht sehen – wegen seines Bauches …

„Du, hab ich mir eigentlich schon meinen Tanga angezogen?“

Nachdem sie seinen Bauch gelüftet hat und es bestätigt, hakt er nach: „Und hinten … sitzt der String? Kannst Du ihn sehen?“

„Ich bin mir nicht ganz sicher,“ antwortet sie zögerlich.

„Guck doch mal richtig, Frau.“

Gut, ich bin noch nicht ganz 80 und einen richtigen Schmerbauch habe ich bisher – aber kann ja noch kommen – auch nicht, aber ... Ja, ich weiß, das Beauty-Case soll nur für die ersten zwei Tage eine Überbrückungshilfe sein. Und dann? Soll man sich dann neu einkleiden? Bezahlt doch die Versicherung! Natürlich alles, ist klar! Nee, nee, das glaube ich kaum.

Und – jetzt kommt es – ich habe tatsächlich eine Nacht einen Einweg-Stringtanga getragen und mich noch nie so sexy gefühlt! Ach, Quatsch … Es war irgendwie nicht schön. Unbequem, wie Papier und … ach, ich weiß nicht … einfach nicht angenehm. Ich warf ihn – nein, es oder sie (?) nach der einmaligen Nutzung in den Müll und nahm später den zweiten für schlechte Zeiten mit nach Hause. Nein, nur zum Zeigen! Nein, nicht am Mann, sondern nur im Plastikbeutelchen! Ist doch klar. Am nächsten Morgen – also nach der einmaligen Nutzung des Einweg-Stringtangas mit der wirklich unschönen Passform – kauften meine Süße und ich an Bord erst einmal neue Slips. Also meine Süße einen Slip und ich eine neue Unnerbüx, die ziemlich teuer waren. Wir hatten uns natürlich vorher unsere alten wieder angezogen. Iiiih – was? Natürlich nachdem meine Süße sie durchgewaschen hatte! Während unserer kofferlosen Kreuzfahrt hingen immer eine Unnerbüx und ein Slip – natürlich auch andere Kleidungsstücke – auf der kleinen Wäscheleine unter der Dusche. Eine wunderbare Erfahrung … also das mit den Einweg-Stringtangas und der täglichen Handwäsche.