Leseprobe

Anselm Erpel von Hohlkreutz:

Epochale Erkenntnisse eines Kreuzfahrers oder: Wie ich mich in die bessere Gesellschaft einschlich
Bericht und Bekenntnisse zu einer Kreuzfahrt


Sonntag, 10. Dezember 2006
Olympia und Archäologisches Museum

Das Schiff hat in Katakolon/Griechenland angelegt. Unser erster Landausflug soll uns nach Olympia führen. Um 12.00 Uhr ist der Treffpunkt an Bord. Dann gehen die Menschenmassen an Land. Es ist richtig sommerlich. Wunderbar. Wir wurden dem Bus mit der Nummer 4 zugeteilt. Ein gemischter Bus, denn die Reiseleitung spricht Deutsch und Spanisch. Auf dem Weg zu den antiken Sportstätten in Olympia sehen wir sehr viele kaputte, halbfertige oder renovierungsbedürftige Häuser. Katakolon selbst ist nur ein kleiner Ort, aber durchaus interessant. Männer sitzen draußen vor den Cafés und schauen den Bussen hinterher. Viele Oliven- und Orangenbäume säumen unseren Weg. Eine sehr hügelige Landschaft. Leider liegt überall Müll herum. Gibt es keine Müllabfuhr? Schade, es ist sonst so schön hier. Auch das moderne Olympia ist nur ein kleines Städtchen. Als erstes besuchen wir das Archäologische Museum. Sehr viele Statuen sind hier zu betrachten.
Hermes mit deinem Hintern“, raunt mir meine Frau zu, als wir vor der Hermes-Statue stehen.
Ich gebe jetzt nicht an! Nein, so etwas würde ich nie machen! Sie hat es wirklich genauso gesagt.

Bei dieser Gelegenheit mal eine Frage an die Damenwelt: Was ist so besonders schön an Mel Gibsons Hintern? Also, ich habe gerade vor kurzem „Lethal Weapon“ mit Mel Gibson gesehen und da huschte er nackt – nur von hinten zu sehen – durch seinen Wohnwagen. Also, bitte, was soll an diesem Hintern so besonders toll und knackig sein? Lächerlich! Er hat einen Allerweltshintern, jawohl! Ich verstehe die Frauen einfach nicht.

Unsere Reiseleiterin spricht ziemlich leise. Sie ist kaum bis gar nicht zu verstehen. Das Museum hallt auch einfach zu sehr.

Die Statuen wurden in der Antike so gestaltet, dass die Köpfe ausgetauscht werden konnten. Tatsächlich kann man die „Schnittstellen“ erkennen. Praktisch. Und alle Dargestellten hatten somit den perfekten Körper.
Warum wird diese Technik heute nicht mehr angewendet? Schade. Man kann sich so wunderbare Statuen vorstellen. Zum Beispiel wird der Körper von Heidi Klum als Grundlage für weibliche Statuen verwendet und oben drauf kommt dann eventuell der Kopf von Angela Merkel, Ursula von der Leyen oder Guido Westerwelle. Ach, nee, falsch. Für Guido Westerwelles Kopf müsste wohl der Körper von Sylvester Stallone herhalten! Nein, nicht richtig ausgedrückt! Es muss natürlich heißen: Für Guido Westerwelles Kopf darf Sylvester Stallone seinen Körper zur Verfügung stellen! So ist es richtig. Wäre das nicht todschick? Was für Möglichkeiten! Helmut Kohl, Franz Josef Strauß und Gregor Gysi mit dem gleichen muskulösen Körper. Hella von Sinnen mit dem Körper Heidi Klums, was beiden vielleicht nicht recht wäre …

Dann gehen wir nach draußen. Ein schönes, großes Gelände erwartet uns. Was für ein herrliches Wetter! Unglaublich. Es ist ein parkähnliches Gelände mit vielen Bäumen, die alle belaubt sind. Beeindruckend sind die historischen Sportstätten, Tempel- und Ruinenfelder schon. Bald begeben wir uns auf die „Rennbahn“. Einige sich sehr angeregt und lautstark unterhaltende Menschen – wahrscheinlich Italiener – gehen vorbei. Schon ist die Reiseleiterin nicht mehr zu verstehen. Wie können so ein paar Menschen mit scheinbar eingebautem Megaphon nur soviel Krach veranstalten? Beeindruckend.

Dann gibt es die erste Disharmonie unserer Reise und ich, alter Doofmann, bin der Auslöser und Schuldige! Ich, Stinker, ziere mich von Charly im Gruppenbild fotografiert und somit verewigt zu werden. Immer diese blöde Knipserei. Ich sehe mein Konterfei eben nicht so gerne auf Fotos, aber darauf nimmt ja keiner Rücksicht. Meine süße Frau ist mit mir böse. Auf dem ziemlich langen Weg zurück zum Bus wandere ich flott, von der Welt missverstanden, und grummelnd alleine vorneweg. Meine Süße folgt mir mit großem Abstand. Charly und Eva liegen noch weiter zurück. Schließlich sitzen wir wieder alle im Bus und meine Frau raunt mir: „Du bist schrecklich“ zu. Und da hat sie wohl Recht. Ich bin schon ein alter Stinker!

Ungefähr 10 Minuten später hält der Bus vor einem von der Reederei „zertifizierten Laden“, wie auf einem Schild zu lesen ist. Also eine Einkaufsmöglichkeit, die meine Süße nutzt und ein Buch über Olympia kauft. Der Bus fährt mit mehr als 10 Minuten Verspätung wieder ab – wir alle mussten auf Charly und Eva warten, die hier mächtig eingekauft haben. Kurz nach 17.00 Uhr hält der Bus neben unserem Schiff. Leider befinden sich lange Schlangen an den Kontrollpunkten. Das Einchecken mit Karte und Reisepass-Fotokopie dauert ziemlich lange. Erst nach 17.30 Uhr sind wir wieder in unserer Kabine. Irgendwie ärgerlich, denn wir haben die Zeit für das Mittagessen und sogar den Nachmittagstee verpasst. Nur noch Pizza könnte von uns verköstigt werden. Aber wir wollen keine Pizza! Nun ärgere ich mich noch mehr. Schlechte Organisation! So geht es nicht, meine Herren, meine ich! Meine Süße ärgert sich nun auch wieder, aber nur weil ich mich ärgere. So ist sie. Wir waren der drittletzte Bus von 23 Bussen. Oh, Mann, ich hätte wirklich gerne etwas Richtiges gegessen. So gibt es nur zwei trockene Brötchen und etwas Gemüse. Ärgerlich. Da müsste die Küche doch flexibel auf verspätete Busse reagieren. Mist! Die „Nr. 4“-Aufkleber auf der Brust – ausgegeben beim Treffpunkt vor dem Ausflug – landen in der Mülltonne. Nun heißt es auf das 21.00 Uhr-Abendessen warten. Wir sind böse. Ich auf die Reederei, auf die elende Knipserei und nun auch ein bisschen auf meine Frau, weil sie böse ist. Und sie ist auf mich böse, aber überhaupt nicht auf das unverschuldete Verpassen des Mittagessens und des Nachmittagstees. Und der Hunger bohrt im Magen. Schrecklich!

Zwischenzeitlich haben Charly und seine kleine Eva heute ohne Mehrkosten eine neue und bessere Kabine bekommen. Denn Charly kann überzeugen. Beide waren seekrank und hatten „ruhige Lage“ gebucht, wie er immer vehement betonte, aber der kräftige Seegang war nicht eingeplant gewesen und die Nähe zur Maschine auch nicht. Beredsam, wie nur Charly ist, bekamen sie nun die wesentlich höher gelegene Kabine der deutschen Reiseleiterin, die wiederum – da das Schiff voll belegt ist – die Kabine von Charly und Eva übernehmen muss. Die Dame war Charlys unentwegte und keinen Widerspruch duldende Argumentation mit einem Schuss Freundlichkeit einfach nicht gewachsen und so wählte sie den bequemeren Weg der Niederlage.

Charly, Eva, meine Süße und ich haben einen gemeinsamen Tisch während des Abendessens, was wieder sehr gut war und waren heute die Letzten, die das Restaurant verließen. Zum Abschluss des Tages gehen meine Frau und ich noch ins Internetcafé. Und dieses Mal wird unser Bordkonto nur mit € 9,50 belastet. Mensch, kann ich sparsam sein!